Die "böse Schwiegermutter"

. 3 minuten Lesedauer

Tipps für ein Zusammenleben

Sie ist die Mutter deines Mannes, Oma deiner Kinder und aus deiner  Familie nicht wegzudenken. Doch was tust du, wenn sie dein größter Feind  ist? Die Figur der „bösen Schwiegermutter“ ist für viele Frauen leider  kein Vorurteil, sondern pure Realität. Immer wieder geraten  Schwiegertöchter und Schwiegermütter aneinander.

Die anfänglich unterschwelligen Sticheleien können in regelrechte  Kriegszustände ausarten. Meistens gehen die passiv-aggressiven  Anfeindungen von der Mutter aus. Kleine, spitze Kommentare über die  Verhaltensweise oder das Aussehen der Schwiegertochter können tief  treffen.

Gerne berichtet sie über die nahezu perfekten Ex-Freundinnen des  Sohnes, kritisiert den Kleidungsstil, belächelt die noch bescheidenen  Kochkünste oder verändert ungefragt Planungen, weil sie sich für besser  organisiert hält. In solchen Momenten bedarf es einiger Beherrschung, um  die Tränen der Wut und die bösen Worte, die dir zum Verhalten deiner  Schwiegermutter einfallen, zurückzuhalten. Leider kann das Verhältnis  zur Mutter auch das zu ihrem Sohn beeinflussen.

Braut  mit Blumenstrauß | Foto: via Picsastock von Johnsonphoto Männer geraten zwischen den kratzbürstigen Frauen oft in den  Konflikt zwischen der Rolle des geliebten Sohnes und Ehemannes. Wem  schenkt er seine Loyalität? Besonders gerne entfliehen die Männer der  Situation, indem sie einfach gar nichts sagen.

Oder sie versuchen den Konflikt zu schlichten. Dazu müssen sie sich  aber meistens auf eine Seite begeben, nicht selten ist es die der  Mutter. Das liegt daran, dass die Schwiegermutter gelegentlich auch die Konflikte auf Paarebene auszufechten versucht.

Bemängelt sie zum Beispiel die Organisation im Haushalt, denkt der  Mann im Stillen vielleicht: „Ja, sie hat schon Recht – ein warmes,  frisch gekochtes Essen jeden Abend wäre schon nicht schlecht…“. Wenn das  der Fall ist, sollte unbedingt ohne das Beisein der Schwiegermutter  weiterdiskutiert werden. Unstimmigkeiten zwischen euch sollten auch in  diesem Rahmen geklärt werden.

Natürlich lässt sich das Dilemma des Mannes ein Stück weit  nachvollziehen. Zwischen zwei Frauen zu vermitteln, die sich emotional  in den Streit vertieft haben und beide nur um die Unterstützung des  Mannes kämpfen, muss eine nervenzehrende Angelegenheit sein. Um diesen  Situationen aus dem Weg zu gehen, sollte der Mann schon bei den ersten  Anzeichen auf eine eifersüchtige Mutter die Fronten klären. Auch wenn  ihr die neue Freundin nicht passt, ER hat sie sich ausgesucht.

Letztlich handelt es sich immer um einen Machtkampf. Die Mütter  müssen den Einfluss auf ihren Sohn zurückschrauben. Besonders wenn es um  Hochzeit und Familiengründung geht, ergreift die umsorgende Mama Panik.  Noch schwieriger wird es, wenn sie ihr Leben hauptsächlich für ihren  Sohn gelebt hat und nicht viele Hobbies außerhalb der Familienfürsorge  ausübt.

Dass die Thematik keinesfalls übertrieben dargestellt ist, zeigt  auch eine Umfrage aus dem Jahr 2013. Dabei gab nur die Hälfte der  Befragten an, ein gutes Verhältnis zu ihren Schwiegermüttern zu haben.  Ein Viertel sprach von einer sehr schlechten Beziehung, der Rest stufte  sie als neutral oder unterkühlt ein.

Auch unser Sprachgebrauch zeugt von einer Geschichte der  Antisympathie, die sich über Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. Denken  wir zum Beispiel an den „Schwiegermuttersitz“. Damit ist der Notsitz  gemeint, der zusätzlich am Heck des Autos ausgeklappt werden kann.

Er ist nicht überdacht und äußerst unkomfortabel – genau das Richtige  für das unerwünschte Anhängsel. Der Begriff wurde bereits in den 1930  Jahren geprägt. Der „Schwiegermutterstuhl“ überbietet die Gemeinheit  noch: so wird ein Kugelkaktus genannt.

Das Phänomen ist durchaus international.  In Vietnam besagt eine Redewendung: „Aber auch nicht eine  Schwiegermutter lobt ihre Schwiegertochter und umgekehrt.“, in der  Mongolei sagt man: „Gut ist, wenn die Schwiegereltern fern sind und das  Wasser nah.“ In Spanien ist man noch direkter: „Die Schwiegermutter  spricht Honig und meint Galle.“ Es könnten noch zahlreiche weitere  Beispiele angeführt werden, die Schwiegermutter ist eigentlich überall  ein eher unbeliebtes Familienmitglied.

Doch wie ist es mit Männern und ihren Schwiegermüttern? Die  Konfliktzonen überschneiden sich in diesem Fall einfach nicht so sehr.  Schuld daran ist sicherlich noch(!) die alte Geschlechtertrennung. In  Sachen Kindererziehung und Haushalt sind es eher die Frauen, die in  Konkurrenz zueinander stehen.

Das Tochter-Mutter Verhältnis bleibt durch einen neuen Freund  unbeeindruckt bestehen, Rat und Tat wird sich die Tochter auch weiterhin  bei ihrer eigenen Mutter holen. Natürlich gibt es auch hier andere  Fallbeispiele. Auch Männer können mit ihren Schwiegermüttern aneinander  geraten. Dann spielt allerdings weniger Macht und Eifersucht eine Rolle.

Egal, wie du zu deiner Schwiegermutter stehst, eine ordentliche  Portion Selbstbewusstsein hilft manchmal schon weiter, um sie in die  Schranken zu weisen. Dein Freund/Mann hat sich nicht umsonst für dich  entschieden. Außerdem sollte man einfach darauf gefasst sein, dass es  (im besten Fall nur anfänglich) Schwierigkeiten geben wird.

Erwarte gar nicht erst, dass du dich auf Anhieb mit deiner größten  Konkurrentin verstehen wirst. Und bringe ihr ein wenig Verständnis  entgegen, schließlich wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit auch mal  eine Schwiegermutter sein, die einer jungen Frau das Leben ein bisschen  schwerer macht.


Die "böse Schwiegermutter"
Help us and share with love