Was kostet ein Hochzeitsfotograf?

. 6 minuten Lesedauer

Christoph Gorke hat vor acht Jahren seine Liebe zur Fotografie entdeckt und seitdem ist es - außer Essen und Schlafen - die Beschäftigung, mit der er am meisten Zeit verbingen kann. Besonders die unterschiedlichsten Menschen vor die Linse zu bekommen macht ihm Spaß - perfekt für die Hochzeitfotografie. Die Umfrage hat er bereits hier auf seinem Blog veröffentlicht.

Christoph Gorke
Hochzeits- und Werbefotograf | www.christophgorke.de

Es ist Mittwochmittag und ein Forenbeitrag ploppt in Facebook hoch. Es geht um Preise von Hochzeitsfotografen – Daniel M. interessiert die „Transparenz bei Preisen“ und wünscht sich einen Preis-Überblick der Branche. Eigentlich sehr interessant! Doch mein Gefühl sagt mir, ich sollte schon mal das Popcorn holen…und BINGO! Innerhalb von wenigen Minuten passiert es, gegenseitig wird sich beschuldigt den „Markt kaputt zu machen“ oder nicht kalkulieren zu können. Nach mittlerweile über 80 Kommentaren ist die Stimmung gereizt und keiner traut sich mehr etwas über seine Preise zu sagen, stattdessen haben wir eine Grundsatzdiskussion.

Na toll! Das war eigentlich eine gute Idee, aber dass mit der Übersicht hat dann doch nicht geklappt. Am Abend gibt es nochmal ein zweites Thema gezielt zur Kalkulation von Preisen, ähnliches Problem auch hier.

Es ist nun Donnerstagmorgen, ich sitze vorm Rechner, frühstücke und da ploppt es wieder. Mir geht es auf den Keks, dass man in jedem Forum selbst auf eine einfache Ja-oder-Nein-Frage immer komplett themenfremde Beiträge bekommt. Ich wollte etwas tun und während des zweiten Marmeladenbrötchens war die Entscheidung gefallen. 15 Minuten später stand die erste Version eines Online-Fragebogens! Hoffentlich die Erlösung für all jene Hochzeitsfotografen in der Gruppe ,die, wie ich, immer noch auf die Antwort der ersten Frage von Daniel warteten! Kurz und knapp mit nur den wichtigsten Fragen und innerhalb von 20 Sekunden beantwortbar. Ich hätte noch so viel mehr fragen können und wollen, aber dafür ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt – ich brauche Antworten, schnell, klar und einfach!

Es funktioniert, der Fragebogen ist online und in der Fotografengruppe gepostet. Schon 30 Antworten in 10 Minuten, dieses Mal ohne ewiges hin und her und meckern! Es geht weiter… innerhalb kürzester Zeit kommen immer neue Antworten. Der Medienwissenschaftler in mir kommt jetzt durch und ich erinnre mich an die Sachen die ich im Studium gelernt habe… die Auswertung muss irgendwann gemacht werden und wie sind die Antworten zu bewerten und zu interpretieren? Für alle die bisher nichts mit empirischer Erhebung am Hut hatten gibt es hier einen kurzen Einschub dazu, der übrigens leider in vielen „Studien“ und Infografiken fehlt:

  1. Aussagekraft: Ich kann mit dieser Methode eigentlich nur etwas über die Leute sagen, die den Fragebogen ausgefüllt haben. Alles andere ist die Interpretation der Daten. Die Erhebung ist aus verschiedenen Gründen nicht repräsentativ. Sie besitzt also keine Aussagekraft für alle Hochzeitsfotografen, nicht mal für nur eines der Facebook-Foren in dem ich den Fragebogen gepostet habe. Man kann anhand der Daten aber Tendenzen ableiten und Vermutungen anstellen. Das ist schon mal mehr als ich noch am Mittwochabend wusste!
  2. Fehler in der Erhebung: Es kann nicht sichergestellt werden, dass jeder nur ein mal den Fragebogen beantwortet und jeder auch die Fragen aufmerksam gelesen und verstanden hat. Eine Datenbereinigung wurde zwar durchgeführt, aber kann nur schwer z.B. mutwillige Täuschung aufdecken. Faktoren wie Bildqualität, Bildstile/Aufwand der Bearbeitung und persönliche Betreuung der Fotografen, sind sehr wichtige Merkmale, aber das alles konnte aufgrund des knappen Designs leider nicht erhoben werden.

Das ganze Wochenende lief noch die Befragung, nun ist Montag und ich habe einen Berg von Daten! Insgesamt haben sich 533 Fotografen mit dem Schwerpunkt auf Hochzeitsfotografie zu Wort gemeldet. Ich bin glücklich und sehr überrascht wie viele dem Aufruf gefolgt sind. An dieser Stelle eine riesiges DANKE an alle Teilnehmer!!!

Die Zahlen liegen vor mir und ich muss nur noch die richtigen Fragen stellen, also:

  • Was verlangen Fotografen für eine Hochzeitsreportage über 8 Stunden* im Durchschnitt?
  • Wie sieht das im Vergleich zwischen den Ländern aus?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen den “alten Hasen” und Fotogafen die neu in der Branche sind?
  • Verlangen nebenberufliche Hochzeitsfotografen das Gleiche wie Hauptberufliche?
  • Haben Hochzeitsfotografen auf dem Land einen anderen Preis als in der Stadt?

*Die gemeinsame Basis, aufgrund der jeder Fotograf die Frage nach dem Kosten beantwortet hat, war eine “8-Stunden-Reportage an einem Samstag im Sommer. Ohne Assistent. Ohne Fahrtkosten. Ohne Buch oder Prints. Das Brautpaar bekommt eine Auswahl an Bildern digital und bearbeitet.”

Ich berechne nun die Verteilungen und habe die letzten Tage schon eine paar Grafiken entworfen die nun mit Inhalten gefüllt und angepasst werden. Manchmal ist das alles „nerviges Zahlen bla bla“, manchmal freue ich mich wie ein kleines Kind über ein Überraschungs-Ei. Einziger Wehrmutstropfen für mich ist, dass ein paar Bundesländer nur sehr schwach vertreten waren (Ihr erkennt das an den Sternchen an den Preisen).

Es ist Dienstag, ich kann die Zahlen nicht mehr sehen, aber die Infografik steht und ich brauch nur noch einen guten Titel… hmm… „Das kostet ein Hochzeitsfotograf!“ finde ich gerade gut.

Noch ein paar Worte zum Inhalt der Grafik und der Beantwortung der Fragen:

  • Der Durchschnittswert von 1454 € ergibt sich aus den 533 Fällen aller Bundesländer, sowie Österreich und der Schweiz. Zur besseren Lesbarkeit und Darstellung der einzelnen Regionen wurden gerundete Werte für die Durchschnittspreise verwendet. Der niedrigste Wert in der Erhebung lag bei 250 € (Brandenburg, nebenberuflich, weniger als 1 Jahr Erfahrung) und der höchste Wert waren 4200 € (Schweiz, hauptberuflich, länger als 3 Jahre Erfahrung). Die Teilnehmerzahl war für viele Regionen höher als erwartet, jedoch gab es einige Bundesländer die stark unterrepräsentiert sind. Entsprechend ist die Aussagekraft für jene Regionen geringer. In der Infografik wurden Regionen mit einer Teilnehmerzahl von unter 10 Personen mit einem “*” gekennzeichnet. Die Teilnehmerzahlen für die einzelnen Länder sind: Deutschland (495), Schweiz (13), Österreich (25) und einzeln für die Bundesländer: Baden-Württemberg (81), Bayern (79), Berlin (20), Brandenburg (11), Bremen (2), Hamburg (15), Hessen (43), Mecklenburg-Vorpommern (5), Niedersachsen (50), Nordrhein-Westfalen (93), Rheinland-Pfalz (28), Saarland (6), Sachsen (29), Sachsen-Anhalt (8), Schleswig-Holstein (14), Thüringen (11).
  • Die Preise der einzelnen Regionen schwanken von 1000 € (Brandenburg) bis 2200 € (Schweiz). Eine Mögliche Interpretation ist an den strukturellen Bedingungen der einzelnen (Bundes-)Länder zu sehen. So gab es Beispielsweise bis vor kurzem in Österreich (1800 €) nicht die Möglichkeit als Fotograf ohne Ausbildung tätig zu sein. Quereinsteiger die aus einem Hobby ihren Beruf gemacht haben während der Anfangszeit in der Kostenkalkulation flexibler sind gab es hier vermutlich wenige.
  • Diese Flexibilität erkennt man auch an den Werten für die Erfahrung der Fotografen. Wer als Neueinsteiger noch weniger als 1 Jahr Erfahrung mitbringt, liegt mit 1200 € weit unter dem Preis der “alten Hasen”(länger als 3 Jahre Erfahrung) mit 1576 €.
  • Wer die Hochzeitsfotografie nebenberuflich(1304 €) betreibt liegt im Durchschnitt 319 € unter einem hauptberuflichen Fotografen(1623 €). Eine mögliche Erklärung ist, dass man in Deutschland pro Jahr unter 17.500€ erwirtschaftet, sich nach der Kleinunternehmerregelung von der Umsatzsteuer befreien lassen kann. Zudem muss man sich nicht von der Berufsgenossenschaft versichern lassen, wenn man weniger als 100 Tage im Jahr arbeitet. Es können hier sicherlich noch weitere Aspekte, wie Studiomieten, berücksichtigt werden. Aber um konkretere Aussagen zu treffen wäre eine weitere umfassendere Datenerhebung notwendig.
  • Die Differenz zwischen den Regionen in der ein Hochzeitsfotograf ansässig ist, hat anscheinend keinen besonderen Einfluss auf die Preisgestaltung. Der Hauptgrund liegt hier vermutlich darin dass viele der Fotografen sehr flexibel sind und oft auch überregional arbeiten.

Wer die Anzahl der teilnehmenden Personen bei “Beruf” und “Region”zusammenrechnet wird feststellen, dass es eine kleinere Zahl ist als die 533 aller teilnehmenden Personen ergibt. Ein kleiner Prozentsatz der Teilnehmer haben an dieser Stelle die technische Lücke des Fragebogen übersehen eine Mehrfachauswahl zu tätigen. Diese Daten können allerdings nicht sinnvoll interpretiert werden da z.B. niemand nebenberuflich UND hauptberuflich als Hochzeitsfotograf kann. Diese Datensätze wurden für die Auswertung der jeweiligen Fragen nicht herangezogen.

Fazit:

Ich habe die Befragung durchgeführt um einen Überblick über die Preise der Hochzeitsfotografen zu bekommen. Das hat besser funktioniert als ich es erhofft hatte. Es gibt bei der Differenzierung der Preise verschiedene Ansatzpunkte zur Interpretation. Eine umfassende Erklärung der unterschiedlichen Preise war nicht in dem Maße ein Anliegen der Erhebung und kann mit der Datenlage nicht beantwortet werden.

Die Hochzeitsfotografie ist für mich eine bunte Mischung aus Dienstleistung und Kunst. Neben einer rein wirtschaftlichen Kalkulation spielen viele weitere Aspekte eine wichtige Rolle. Doch leider ist es wahrscheinlich nicht möglich Bildstile, Charakter, Erfahrungen, Kommunikation und vieles mehr zu messen und gegen einen Preis aufzuwerten. Doch gerade diese Faktoren machen einen Hochzeits-Fotografen oder -Fotografin für mich aus. Wenn ich für meine Hochzeit einen Fotografen suchen würde, stünden an erster Stelle Kriterien wie Sympathie, Vertrauen und natürlich ob mir sein Bildstil gefällt. Der Preis kommt dann erst irgendwann später auf meiner eigenen Liste und wenn es sein, muss spare ich dann auch gerne etwas länger für etwas das ich wirklich haben will!

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